Welcher Experte sollte ein Zahnimplantat setzen: Zahnarzt, Oralchirurg oder Kieferchirurg?

Zahnimplantat vom Oralchirurgen aus Mülheim an der Ruhr
Zahnimplantat vom Oralchirurgen

Ein Zahnimplantat kann von einem entsprechend qualifizierten Zahnarzt, einem Fachzahnarzt für Oralchirurgie oder einem Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie gesetzt werden. Entscheidend sind Ihr individueller Befund, die implantologische Qualifikation und Erfahrung des Arztes sowie die abgestimmte Planung von Eingriff, Zahnersatz und Nachsorge.

Wer darf Implantate setzen und wie unterscheiden sich die Qualifikationen?

Ein Zahnimplantat wird in den Kieferknochen eingesetzt und soll dort stabil einheilen. So können später eine Zahnkrone, Brücke oder Prothese befestigt werden. Das Einsetzen ist ein chirurgischer Eingriff, die gesamte Behandlung umfasst auch zahnmedizinische und prothetische Schritte.

Grundsätzlich darf jeder approbierte Zahnarzt Zahnimplantate setzen. Das bedeutet aber nicht, dass sich ein Behandler intensiv in der Implantologie fortgebildet hat oder dass er viel Erfahrung mit einfachen oder anspruchsvollen Implantationen besitzt. Auch eine Bezeichnung wie „Spezialist für Implantologie“ sollte nicht als einziges Auswahlkriterium verwendet werden. Aussagekräftiger sind nachvollziehbare Qualifikationen, Erfahrung mit vergleichbaren Befunden und eine transparente Behandlungsplanung.

Ein Oralchirurg ist ein Zahnarzt, der eine geregelte Weiterbildung mit Prüfung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie abgeschlossen hat. Diese Weiterbildung vertieft die Diagnostik und chirurgische Behandlung im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Dazu können Implantate, operative Zahnentfernungen und, abhängig von Qualifikation und Befund, auch ein Knochenaufbau gehören. Da Oralchirurgen zugleich Zahnärzte sind, können sie die spätere prothetische Versorgung von Beginn an mitdenken und planen.

Ein Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, von Patientinnen und Patienten oft Kieferchirurg genannt, hat Human- und Zahnmedizin studiert und anschließend eine ärztliche Fachweiterbildung absolviert. Das Fachgebiet umfasst über die dentale Chirurgie hinaus unter anderem komplexe Eingriffe an Kiefer und Gesicht. Für bestimmte umfangreiche, fachübergreifende oder stationär zu behandelnde Befunde kann diese breite Qualifikation wichtig sein.

Nach welchen Kriterien sollten Sie entscheiden?

Ob ein Implantat durch einen Zahnarzt, Kieferchirurg oder Oralchirurg gesetzt werden sollte, hängt zunächst von Ihrer Ausgangssituation ab. Bei einer einzelnen, gut ausgeheilten Zahnlücke und ausreichendem Knochenangebot können ein implantologisch erfahrener Zahnarzt oder ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie geeignete Ansprechpartner sein. Liegt nur wenig Kieferknochen vor oder befindet sich die geplante Position im Oberkiefer nahe der Kieferhöhle beziehungsweise im Unterkiefer in der Nähe eines Nervs, kann oralchirurgische Erfahrung besonders wertvoll sein.

Vor jeder Implantation müssen Zähne, Zahnfleisch und Kiefer beurteilt werden. Aktive Karies, eine Entzündung oder eine nicht ausreichend behandelte Parodontitis können die Planung beeinflussen. Ebenso wichtig sind Erkrankungen, Medikamente, Mundhygiene und mögliche frühere Probleme bei chirurgischen Eingriffen.

Zur Diagnostik gehören eine klinische Untersuchung und eine geeignete Röntgenaufnahme. Eine digitale Volumentomographie, kurz DVT, liefert dreidimensionale Bilder von Kieferknochen und angrenzenden Strukturen. Sie ist nicht bei jeder Implantation automatisch nötig, kann aber sinnvoll sein, wenn zweidimensionale Aufnahmen die entscheidenden anatomischen Verhältnisse nicht ausreichend zeigen oder ein Knochenaufbau geplant wird. Bei deutlichem Knochenabbau kommen je nach Befund augmentative Verfahren, also ein Aufbau des Kieferknochens, infrage. Im seitlichen Oberkiefer kann nach Untersuchung, Bildgebung und individueller Abwägung ein Sinuslift infrage kommen.

Welche Risiken in Ihrem Fall besonders relevant sind, hängt von der Implantatposition, dem Knochenangebot, Ihrer allgemeinen Gesundheit und dem geplanten Vorgehen ab. Mögliche Komplikationen einer Implantation sind unter anderem Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Verletzungen benachbarter Strukturen oder eine ausbleibende stabile Einheilung.

Auch der spätere Zahnersatz gehört von Anfang an in die Planung. Die Position eines Implantats soll zur vorgesehenen Krone, zur festsitzenden Brücke oder zu einer herausnehmbaren Prothese passen. Funktion, Belastung, Pflegefähigkeit und Ästhetik müssen gemeinsam berücksichtigt werden. Eine sorgfältige Implantatbehandlung schließt Einheilkontrollen, die prothetische Versorgung und eine langfristige Nachsorge des Gewebes um das Implantat ein.

Welche Vorteile kann eine oralchirurgisch qualifizierte Zahnarztpraxis bieten?

Eine Zahnarztpraxis mit Fachzahnärzten für Oralchirurgie kann zahnmedizinische Gesamtplanung und chirurgische Behandlung eng miteinander verbinden. Dadurch werden das angestrebte prothetische Ergebnis, die anatomischen Voraussetzungen, das Knochenangebot, die chirurgische Umsetzung und die Nachsorge in einem abgestimmten Behandlungskonzept zusammengeführt. Studien unterstreichen die Bedeutung einer am späteren Zahnersatz orientierten Implantatplanung und einer sorgfältigen Abstimmung der beteiligten Behandlungsschritte (Nulty, 2024; Chackartchi et al., 2022; Ng et al., 2012).

So kann bereits vor der Implantation geklärt werden, wie sich eine Zahnlücke nach Zahnverlust alternativ durch eine Brücke oder Prothese versorgen ließe, ob dafür Nachbarzähne einbezogen werden müssten und an welcher Position das Implantat den späteren Zahnersatz funktionell und ästhetisch sinnvoll trägt. Das kann eine wichtige Voraussetzung für eine funktionell und ästhetisch gute Versorgung sein, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Bei [fach]zahnaerzte.ruhr sind Dr. med. dent. Arnd Mersmann und Dr. med. dent. Jan-Erik Prokosch als Zahnärzte und Fachzahnärzte für Oralchirurgie mit einem Tätigkeitsschwerpunkt in der Implantologie tätig. Das Behandlungsspektrum der Praxis umfasst unter anderem Implantologie, Oralchirurgie, Prothetik, dreidimensionale Diagnostik, Knochenaufbau und Sinuslift.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet diese Verbindung, dass chirurgische und prothetische Fragen von der Beurteilung des Kieferknochens über die Implantation bis zur Versorgung und Nachsorge innerhalb einer Praxis abgestimmt werden können. Welche Schritte erforderlich sind und welche Fachrichtungen einbezogen werden, bleibt vom individuellen Befund abhängig. Den genauen Ablauf und die Möglichkeiten der Behandlung mit Zahnimplantaten in Mülheim an der Ruhr können Sie in einem ersten Gespräch klären.

Welche Fragen sollten Sie vor der Implantation stellen?

Ein verständliches Beratungsgespräch hilft Ihnen, Qualifikationen und Behandlungsvorschläge einzuordnen. Fragen Sie auch, wie Diagnostik, chirurgischer Teil, Zahnersatz und Nachsorge zusammenpassen.

Sinnvolle Fragen sind beispielsweise:

  • Welche genaue Berufs- und Fachbezeichnung hat mein Behandler, und welche implantologische Fortbildung kann er nachweisen?
  • Welche Erfahrung besteht mit Befunden, die meinem Fall ähneln, und wie werden mögliche Komplikationen behandelt?
  • Welche Aufnahmen werden benötigt, und warum ist gegebenenfalls eine DVT sinnvoll?
  • Ist ein Knochenaufbau oder Sinuslift vorgesehen, und welche Alternativen bestehen?
  • Wer führt die Implantation aus, wer fertigt den Zahnersatz wie eine Krone und wer übernimmt die Kontrollen?
  • Welche individuellen Risiken bestehen bei mir, und welche Form der Betäubung ist geplant?
  • Welche Alternativen gibt es zum Implantat, etwa eine Brücke oder Prothese?
  • Wie muss ich das Implantat später reinigen, und welches Nachsorgeprogramm ist vorgesehen?

Lassen Sie sich außerdem den Heil- und Kostenplan verständlich erklären. Ob und in welcher Höhe eine Krankenkasse oder Zusatzversicherung Kosten übernimmt, muss anhand des individuellen Plans geklärt werden. Bei umfangreichen Implantationen oder offenen Fragen kann eine Zweitmeinung zusätzliche Orientierung geben.

Unser Fazit: Entscheiden Sie sich für den richtigen Experten

Die Wahl eines geeigneten Behandlers sollte sich nach Ihrem persönlichen Befund, seiner Qualifikation und implantologischen Erfahrung sowie der vorgesehenen Behandlungsplanung richten. In einer Zahnarztpraxis mit Fachzahnärzten für Oralchirurgie können zahnärztliche, chirurgische und prothetische Aspekte eng abgestimmt werden. Welche Lösung zu Ihnen passt, lässt sich erst nach einer persönlichen Untersuchung und Auswertung Ihrer Befunde klären.

FAQ: Häufige Fragen zu Zahnimplantaten

Darf jeder Zahnarzt ein Zahnimplantat setzen?

Ja, grundsätzlich darf jeder approbierte Zahnarzt implantieren. Da Ausbildung, Fortbildung und praktische Erfahrung unterschiedlich sein können, sollten Sie vor allem auf nachweisbare implantologische Qualifikationen, transparente Planung und Erfahrung mit vergleichbaren Befunden achten.

Brauche ich für ein Implantat eine Überweisung?

Für eine Beratung in einer zahnärztlichen oder oralchirurgischen Praxis ist in der Regel keine Überweisung erforderlich. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob vorhandene Röntgenbilder, Arztbriefe, eine Medikamentenliste oder ein Überweisungsschreiben mitgebracht werden sollen.

Kann ein Oralchirurg komplexe implantologische Eingriffe übernehmen?

Ein Fachzahnarzt für Oralchirurgie ist für chirurgische Eingriffe im Zahn-, Mund- und Kieferbereich weitergebildet und kann abhängig von Befund und persönlicher Erfahrung auch anspruchsvolle Implantationen und Knochenaufbauten übernehmen. Bei sehr umfangreichen, fachübergreifenden oder stationär behandlungsbedürftigen Befunden kann die Zusammenarbeit mit einer MKG-Chirurgie sinnvoll sein.

Wie erkenne ich einen guten Implantologen?

Achten Sie auf eine klar benannte Qualifikation, Erfahrung mit Ihrem Befund, nachvollziehbare Diagnostik und eine Planung, die Zahnersatz, Risiken und Nachsorge einschließt. Ein guter Behandler erläutert auch Alternativen, beantwortet Ihre Fragen verständlich und verweist bei Bedarf an eine andere geeignete Fachrichtung.

Literatur

Nulty, A. A literature review on prosthetically designed guided implant placement and the factors influencing dental implant success. Br Dent J 236, 169–180 (2024). https://doi.org/10.1038/s41415-024-7050-3

Chackartchi, Tali et al. “Reducing errors in guided implant surgery to optimize treatment outcomes.” Periodontology 2000 vol. 88,1 (2022): 64-72. doi:10.1111/prd.12411

Ng, Doreen Y et al. “Multidisciplinary approach to implants: a review.” The New Zealand dental journal vol. 108,4 (2012): 123-8.

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